Offener Brief von St.Depri an den FCSP

Liebes Präsidium, Lieber Vereinsrat, Liebe Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums,

einigermaßen verwundert haben wir am 4. November 2016 davon erfahren, dass die Robert-Enke-Stiftung in die Kollaustraße geladen wurde, um über Depression im Profisport zu sprechen (https://www.fcstpauli.com/news/robert-enke-stiftung-zu-gast-im-nlz/). Verwundert hat es uns deswegen, weil wir als St. Depri dem NLZ bereits seit dem 13. März 2015 immer wieder das Angebot unterbreitet haben, eben diese Veranstaltung abzuhalten.

Die im Artikel erwähnte „offene Gesprächskultur“ wird von uns definitiv begrüßt, im vorliegenden Fall allerdings schmerzlich vermisst. So haben wir zwar in den vergangenen 1 ½ Jahren regelmäßig nachgefragt, was denn jetzt eigentlich mit unserem Angebot sei, darauf aber nie eine Antwort bekommen, die hätte vermuten lassen, dass das NLZ ein Interesse daran hat, eine solche Veranstaltung abzuhalten.

Unser Angebot beinhaltete: Experten aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Burnout und Depression im Profisport. Des Weiteren gibt es bei uns natürlich immer die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, sei es über Mail, Facebook oder persönlich beim Stammtisch; außerdem sind bei St. Depri alle beteiligten Personen entweder aus der Fanszene des FC St. Pauli oder aus dem Viertel und haben somit von vornherein einen Bezug zu den Jugendlichen im NLZ. Somit wäre aus einer präventiven Maßnahme ganz automatisch auch eine Möglichkeit zur Interaktion im „Notfall“ geworden.
Das Angebot der Enke-Stiftung im NLZ hingegen beinhaltete einen ehemaligen Bundesliga-Profi und einen Buchautor und als die Veranstaltung fertig war, wurden noch Fotos für die Presse gemacht und alle sind wieder ihres Weges gegangen.

St. Depri ist in den vergangenen Jahren zu einer erfolgreichen Initiative geworden, die bereits hunderten St. PaulianerInnen mit praktischem Rat und effektiver Tat zur Seite gestanden hat. Wir helfen Betroffenen, unterstützen Angehörige und beraten Interessierte. Unsere Arbeit findet zwar nicht auf Titelseiten oder im Rampenlicht, sondern in den Toilettenkabinen des Millerntors, den Behandlungszimmern der Therapeuten unseres Netzwerks oder der Vertrautheit des Fanladens statt; aber eben genau so soll es auch sein. Die Depression ist meist eine leise Krankheit und darüber sind wir alle uns bewusst.
Die Aktion im NLZ allerdings hat uns von St. Depri ordentlich genervt – wir sind angepisst – und zwar richtig! Genau deshalb werden wir jetzt laut und schreiben diesen Brief: Aus einer präventiven Veranstaltung für Jugendliche, welche mit ihrer Berufswahl schon jetzt wissen müssen, dass sie immensen psychischen Druck werden aushalten müssen und diesem gewappnet sein müssen, um nicht daran zu zerbrechen, eine Imageveranstaltung zu machen, finden wir geschmacklos. Jemanden ausschließlich von außen zu holen, obwohl es innerhalb des Vereins qualifizierte und vor allem ausgebildete Experten gibt, ist stillos. Dann im Nachhinein noch von einer „offenen Gesprächskultur“ zu sprechen, klingt wenig glaubhaft.

Wir freuen uns darüber, dass das NLZ sich generell endlich mit dem Thema der Prävention von psychischen Krankheiten im Profisport beschäftigt – das ist wirklich wichtig. Es bleibt allerdings zu bemängeln, dass an dieser Stelle die Qualität dem Prestige geopfert wurde. Dabei gilt unsere Kritik ausdrücklich nicht der Enke-Stiftung.
Wir haben nicht den Anspruch, die Welt zu retten, aber „Wir sind immer für uns da!“ – dazu zählen auch diejenigen Jugendlichen, die im NLZ trainieren, denn auch diese gehören zu St. Pauli.

Wir sind St. Depri und wir sind offen für Gespräche. Ihr erreicht uns jederzeit per Mailoder über Facebook und persönlich an jedem dritten Donnerstag des Monats im Fanladen oder bei Heimspielen des FC St. Pauli verteilt über das Millerntor!

Herzlichst
Eure St. Deprianer

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