Fanszene des FC St.Pauli veranstaltet Aktionstag

Die Auseinandersetzungen der letzten Monate zwischen der Fanszene und den Verantwortlichen des Vereins haben sich sehr stark mit den Aspekten einer überbordenden Kommerzialisierung beschäftigt und diese Kämpfe sind noch lange nicht beendet, es gilt sie weiterzuführen und Schritt für Schritt das Alleinstellungsmerkmal des FC St. Pauli mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten des Prof…ifußballs abzugleichen und eigene Wege zu finden.
Doch genauso intensiv, wie wir Ansprüche an die Vermarktung unseres geliebten Clubs anlegen, genauso intensiv stellen wir diese Ansprüche auch an uns selbst.

Eine Fanszene, die Werte jenseits des Mainstreams verteidigen will, muss sich auch selber fragen, wie sehr sie diese Werte eigentlich noch lebt und verteidigt. Beides gehört zusammen um selbstbewusst und kämpferisch sagen zu können: „Ich weiß warum ich hier stehe.“

Deshalb haben alle aktiven Gruppen der Fanszene einen Aktionstag zum Heimspiel gegen Stuttgart ausgerufen, an dem wir zeigen wollen, wie sehr wir uns selbst eigentlich noch hinterfragen. Und die zentrale Frage an diesem Tag lautet:

Warum bist du eigentlich bei St. Pauli?

Weil der FC St. Pauli…
…so kultig und anders ist?
Weil die Stimmung am Millerntor so toll ist? Weil hier Faschisten keine Chance haben? Der Punker neben dem Banker steht?
Weil St. Pauli europaweit für seine alternative Fanszene beneidet wird?
Weil hier nicht die üblichen Fußballprolls die Kurven prägen und du dich auch als Frau wohl fühlst? Oder weil es hier immer noch Bier gibt, welches ohne Plastik bezahlt werden kann? Wegen all dieser Dinge? Ja!?

Dann denk mal darüber nach, warum wir so sind. Warum unser gefeierter „Jahr100Verein“ erst seit einem guten Vierteljahrhundert diesen besonderen Ruf genießt. Und wieso ein Haufen braun-weißer Fans damals aktiv wurden und anfingen, einen Gegenpol zum hiesigen Fußball-Mainstream durchzusetzen, trotz aller Widerstände auch hier vor Ort. Die Leute in den 80ern wünschten sich auch nicht viel mehr als ein sozialeres Verhalten untereinander bzw. einen respektvolleren Umgang – neben dem größtmöglichen Spaß beim Fußball gucken, versteht sich. Entgegen manch anderer Meinung schließt sich das zudem auch nicht aus. Und wir sehen das heute immer noch so. Grundsätze, wie das Bekämpfen jeglicher Art von Diskriminierung, fanden ihren Ursprung in der aktiven Fanszene und wurden längst fest in der Stadionordnung und den Leitlinien verankert. Und ist es nicht so, dass auch du nur aufgrund dessen eines Tages mal ans Millerntor gekommen bist? Damals wie heute gilt es, diese Grundsätze zu wahren und jede_n, der/die von sich behauptet St.-Pauli-Fan zu sein, immer wieder daran zu erinnern, was das bedeutet. Greifst du mit deinen Freunden wirklich ein, wenn aus eurem Kurvenumfeld z.B. Gegenspieler rassistisch beleidigt, oder Frauen ganz offensichtlich belästigt werden? Gerade in einer Zeit, wo der Fußball immer mehr zum Massenspektakel verkommt und soziales Engagement kommerziellen Interessen weichen muss, ist es notwendig klar Stellung zu beziehen. Ansonsten wird auch unser Club eines Tages nichts anderes sein als ein weiterer stinknormaler Hamburger Fußball-Verein…

Denk also mal wieder ernsthaft nach über dein Verhalten im Stadion, über deine Wortwahl gegenüber Gästefans oder den Schiedsrichtern, über deinen unverhältnismäßigen Alkoholkonsum oder ähnliche Dinge, die mit dazu beitragen, den Mythos vom „anderen Club“ weiter zu zerstören.

Auch die Vereinsführung und die Mannschaft unterstützen uns an diesem Tag, um mit verschiedenen Mitteln und Aktionen diese Fragen an alle Fans zu richten.

Wir hoffen, dass dadurch ein Denkprozess angestoßen wird, der uns alle noch mehr zusammenführt in einem Anspruch etwas ganz Besonderes leben zu wollen am Millerntor und auswärts in den Arenen dieses Landes. Vor und nach dem Spiel, im Viertel und überall auf der Welt, wo wir als St.-Pauli-Fans leben und diesen Club lieben.

Die aktive Fanszene des FC St. Pauli

U13-Spieler beim FC St. Pauli von der Abschiebung bedroht

Liebe Fanclubs,

heute wenden wir uns in einer – wie wir finden – dringenden Angelegenheit an Euch.

Samir – U13-Spieler beim FC Sankt Pauli ist von der Abschiebung innerhalb weniger Tage bedroht. Nicht nur wir finden, dass Abschiebungen grundsätzlich abzulehnen sind. Hier handelt es sich zusätzlich auch noch um einen Jugendlichen.

Hier findet Ihr weitere Infos:

http://www.facebook.com/pages/St-Pauli-fur-Samir-Abschiebung-verhindern/177490978962303

http://www.spiegel.de/deinspiegel/0,1518,740376,00.html

http://stpauli.nu/?p=1956

Wir finden, dass diese Abschiebung verhindert werden muss. Wie wir erfahren haben, ist der FC Sankt Pauli auch schon aktiv und im Kontakt mit der Familie, wir bitten Euch trotzdem Eure Meinung der Zentralen Ausländerbehörde mitzuteilen.

Kontaktdaten:

Zentrale Ausländerbehörde

Herr Dr. Bushart

Herr Bruhns

Tel: 040 42839-2290 + 2291

Fax: 040 42839-2966

bfi.asyl-service@eza.hamburg.de

Vielen Dank für Eure Unterstützung.

Euer

Fanclubsprecherrat und Fanladen

Erklärung von Ballkult eV zu den Angriffen aufs Jolly am 05.02.2011

Fankneipe Jolly Roger Ziel von Angriffen

Wir stellen fest:

Am 05.02. gegen 22.00 Uhr griffen bis zu 200 Personen das Jolly Roger in der Budapester Straße an. Zuvor lief diese Gruppe unbehelligt vom Hans-Albers-Platz über Reeperbahn und Hein-Hoyer-Straße. Der Angriff konnte von vielen Menschen abgewehrt werden. Die Polizei erschien erst etliche Minuten später und ging zunächst mit Schlagstöcken gegen St. Pauli-Fans vor dem Jolly Roger vor. Hierbei wurden einige Gäste leicht verletzt.

Noch mehrfach in der Nacht wiederholte sich das Szenario, hier war die Polizei aber früher vor Ort. Im Gebiet zwischen Paulinenplatz und Reeperbahn kam es über Stunden zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und HSV-Fans. Hierbei wurden Autos und Scheiben von Lokalen in Mitleidenschaft gezogen. Zu keiner Zeit haben größere Gruppen von St. Pauli-Fans das Jolly Roger verlassen.

Um ca. 2.00 Uhr wollte eine Gruppe von 4 Menschen vom Paulinenplatz zum Jolly Roger gehen. In der Paulinenstraße wurden sie von behelmten Polizisten ohne Grund und ohne Vorwarnung angegangen und in einen Hauseingang gestoßen. Ein junger Mann wurde in Gewahrsam genommen. Eine junge Frau wurde von der Polizei zu Boden gestoßen. Hierbei wurden ihr beide Unterarme gebrochen. Die Aufforderung, einen Rettungswagen zu rufen, wurde zunächst ignoriert und ihr stattdessen geraten, sich ein Taxi zu rufen. Der später doch noch eintreffende Rettungswagen brachte die Frau ins Krankenhaus St. Georg, wo sie sich auch am heutigen Sonntag Nachmittag noch befindet und auf die notwendige Operation wartet. Der in Gewahrsam genommene Mann wurde am Morgen zeitgleich mit 4 HSV-Fans entlasssen. Ein Grund für die Maßnahme wurde bis jetzt nicht genannt. Die Betroffenen beraten derzeit rechtliche Schritte gegen die Polizei wegen Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung.

Um so entsetzter sind wir angesichts der Tatsache, dass noch in der Nacht auf der homepage einer großen Tageszeitung unter Berufung auf eine Polizeisprecherin zu lesen war, Gruppen von St. Pauli-Fans wären den ganzen Abend randalierend durch St. Pauli gezogen.

Wir fragen uns:

Wie kann es angehen, dass es einer großen Gruppe Angreifer gelingt, 700 Meter unter den Augen der Polizei in Richtung Jolly Roger zu laufen, um einen Angriff zu starten? Wir erinnern daran, dass dies auch bereits nach dem Derby-Hinspiel geschah.

Ist die Polizei Hamburg so unfähig oder steckt politischer Wille dahinter? Soll kurz vor der Wahl noch ein bisschen auf der Klaviatur der inneren Sicherheit gespielt werden? Warum werden offensichtlich gezielte Falschmeldungen gestreut, um St. Pauli-Fans zu diskreditieren?

Warum taucht der schlimme Vorfall mit der verletzten Frau in keinem Polizeibericht auf?

Für uns heißt dies, dass der Schutz unserer Läden und Einrichtungen nach wie vor selbst organisiert werden muss und wird.

Wir bedanken uns bei den vielen Menschen, die sich in der vergangenen Nacht solidarisch und angesichts der Provokationen der HSV-Einzeller besonnen verhalten haben.

Wir wünschen der verletzten Frau eine baldige und vollständige Genesung.

Wir fordern eine Aufklärung des erneuten polizeilichen Fehlverhaltens. An letzteres glauben wir allerdings nicht mehr, da nach dem Polizeiüberfall auf das Jolly Roger im Juli 2009 (!) immer noch kein Polizist zur Rechenschaft gezogen wurde.

Unser Mitgefühl gilt auch all den vielen Fans, die aus anderen Städten und Ländern (die weiteste Anreise hatten 2 Fans aus Australien) umsonst angereist sind und nun wie auch der FC St. Pauli auf den entstandenen Kosten sitzen bleiben, weil der ?Weltclub? vom Stadtrand es nicht auf die Kette bekommt, einen bespielbaren Rasen zu präsentieren.

Wir haben Euch was mitgebracht: Gras! Gras! Gras!

Jolly Roger/BallKult e.V.

Hamburg St. Pauli, den 06.02.2011

Offener Brief des Fanausschusses

An alle Fans und Mitglieder des FC St. Pauli
Am 18. Januar fand das turnusmäßige Treffen zwischen dem Ständigen Fanausschuss und dem Präsidium des FC St. Pauli statt.
Gemäß der von uns vorgelegten Agenda wurden verschiedene Themen besprochen, wobei das Thema der Vermarktung erwartungsgemäß den größten Raum einnahm.

Das Präsidium bezog zu den verschiedenen Forderungen der Sozialromantiker-Initiative Stellung. Die Aussage des Präsidiums in der gestrigen Pressekonferenz, alle Vorwürfe seien geklärt und entkräftet, ist aus unserer Sicht nicht zutreffend.
In manchen Punkten blieben wir verschiedener Meinung, andere gilt es weiter zu diskutieren oder zu beobachten. Im Übrigen war kein Vertreter der Sozialromantiker anwesend und schon deswegen steht es uns nicht zu, die Petition als geklärt und entkräftet zu bezeichnen. Seitens des Präsidiums wurde angekündigt, ab sofort eine Gruppe aus Vereinsverantwortlichen zu installieren, welche alle neuen Werbemaßnahmen bereits im Vorfeld kritisch überprüfen soll. Außerdem wurde durch das Präsidium die dringend notwendige Verbesserung der Kommunikation zwischen den zweimonatlichen Treffen zugesagt.

Die intensive Diskussion hat uns verdeutlicht, dass der aktuelle Konflikt zwischen Vereinsführung und Fans sich nicht an einzelnen Sachfragen festmachen lässt, sondern sich auf einer anderen Ebene bewegt: Für Teile der Vereinsführung ist der FC St. Pauli ein Wirtschaftsunternehmen, eine „Marke“ und ein Hobby.
Für viele Fans im Stadion ist der Verein jedoch weit mehr als dies: nämlich ein Stück ihres Lebens und ihres Lebensinhaltes und somit keine rationale, sondern eine Herzensangelegenheit. Insofern können die Festlegungen in den Leitlinien allenfalls als Entscheidungshilfen, jedoch nicht der formaljuristischen Auslegung dienen.
Wir sehen das Präsidium in der Pflicht, nicht nur nach wirtschaftlichen Aspekten zu entscheiden, sondern das emotionale Befinden der Fanszene in allen Entscheidungen zu berücksichtigen. Die Proteste beim Heimspiel gegen Freiburg waren für uns kein störender Nebenschauplatz, sondern ein eindrucksvolles Zeichen gelebter St. Pauli-Kultur. Ebenso sind nach unserem Verständnis politische Äußerungen im Stadion elementare und konstituierende Bestandteile des Vereins. Gleichzeitig verwahren wir uns gegen die aus verschiedenen Bereichen des Vereins zumindest unterschwellig erhobenen Vorwürfe, die Unterstützung der Mannschaft werde unter den aktuellen Streitigkeiten leiden – wir alle haben am Samstag das Gegenteil bewiesen und erwarten, dass diese und ähnliche Verknüpfungen des Protestes mit anderen Themen künftig unterbleiben.

Das nächste Treffen zwischen Vereinsführung und Ständigem Fanausschuss wird Ende März stattfinden. Wir halten die positiven Signale aus dem Präsidium für anerkennenswert und werden auf dem nächsten Treffen ein erstes Zwischenfazit bezüglich der Zusagen des Präsidiums ziehen. Selbstverständlich werden wir auch in der Zeit bis zu diesem Treffen Entscheidungen und insbesondere Maßnahmen der Vermarktung kritisch begleiten und, falls nötig, intern oder öffentlich Stellung beziehen.

Hamburg, 20.01.2011
Ständiger Fanausschuss
Kontakt über: Fanladen St. Pauli

FCSR-Stammtisch

Moin moin liebe Fanclubs,

da sich der von uns nach der Sommerpause ins Leben gerufenen Fanclubsprecherrat-Stammtisch nur mäßiger Beteiligung erfreute, haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir den Stammtisch für euch attraktiver gestalten können. Denn dass es immer etwas zu besprechen gibt, erleben wir ja gerade aktuell! Und einiges lässt sich eben auch gut mal face to face im reallife diskutieren. Zudem wünschen wir uns von euch auch Anregungen, was wir für euch in den Ständigen Fanausschuss tragen sollen.

Die wichtigsten Neuerungen:

– der Stammtisch findet nun immer am vierten Montag im Monat um 20 Uhr im Fanladen statt
– zu jedem Stammtisch bereiten wir eine „Tagesordnung“ vor
– der Stammtisch soll als eine Art „Runder Tisch“ zum Austausch der Fanclubs untereinander dienen
– eure Anregungen/Meinungen/Ideen/Kritik tragen wir als eure Vertreter in den Ständigen Fanausschuss weiter

Natürlich werden weiterhin die in Hamburg ansässigen Sprecherräte zum Stammtisch kommen und euch Rede und Antwort stehen. Selbstverständlich könnt ihr im Fanladen dann auch Getränke erwerben.

Der erste Stammtisch im neuen Jahr findet am 24.01.2011 um 20 Uhr im Fanladen statt.

Themen:
– Rückblick Freiburg Heimspiel: Eindrücke, Meinungen
– Vermarktung aktuell: was geht eurer Meinung nach, was geht nicht?
– Vorschau Derby: Fragen, Ideen

Wir freuen uns auf euch!

Euer Fanclubsprecherrat

Einladung zur Delegiertenversammlung 2010

Liebe offiziellen Fanclubs, Liebe Delegierte,

hiermit laden wir euch zur diesjährigen Delegiertenversammlung der offiziellen Fanclubs des FC Sankt Pauli von 1910

am 26.09.2010

um 12.00 Uhr

im Vereinsraum im Clubheim ein.

Die vorläufigen Tagesordnungspunkte sind:

1. Jahresbericht

2. Fanclubjubiläumsbuch 2010

3. Die G.A.S. und der Schwarzhandel

4. Neubau Gegengerade und Nordkurve

5. Sankt Pauli Bande

6. Regionaltreffen / Beteiligung Fanclubveranstaltungen

7. Verhalten Auswärts und geplanter Aktionstag

8. Neustrukturierung des Jahresbeitrages

9. Neuwahlen

Wie in jedem Jahr sind nur Fanclubs stimmberechtigt, die Ihren aktuellen Jahresbeitrag bezahlt haben. Ausserdem wie immer bitte nur 2 Delegierte von jedem Fanclub.

Wir freuen uns auf euer Kommen.

Euer Fanclubsprechrrat

Zweite Erklärung des FCSR zum Rostock-Heimspiel

Liebe offizielle Fanclubs,

nach der Veröffentlichung unserer Erklärung zu den Vorkommnissen möchten wir auf diverse offene Fragen eingehen und einige Punkte erklären, die offensichtlich zu viel Interpretationsspielraum zuließen. Wir wollen uns in dem Zusammenhang bei allen Fanclubs bedanken, die uns kontaktiert haben. Die Mehrzahl dieser Mails war sachlich formuliert und nur so kann ein konstruktiver Meinungsaustausch stattfinden. Ebenso bedanken wir uns für die vielen Anrufe und die daraus resultierenden fruchtbaren Gespräche über die Deutung unserer Erklärung.

Der häufigste Kritikpunkt, der von euch vorgetragen wurde, war, dass wir uns nicht entschuldigt haben für die Vorgänge in der Südkurve. Kein Mitglied des Fanclubsprecherrates war an der Blockade aktiv beteiligt oder bei der Planung involviert. Einzelne Mitglieder des FCSR haben von der Blockade erst kurzfristig auf dem Weg zum Stadion bzw. beim morgendlichen Treff vor dem Fanladen erfahren. Eine wie auch immer geartete Reaktion auf die Blockade war so nicht mehr möglich. Wir waren und sind der Meinung, dass wir uns für nichts entschuldigen können, was wir nicht aktiv verschuldet haben. Allerdings tut uns weiterhin leid, dass sich die Situation am Sonntag so entwickelt hat und hoffen, dass sich sowas nicht wiederholt, dass Menschen sich in unserem Stadion unwohl fühlen. Aus alledem ergibt sich natürlich die Frage, weshalb wir diese Tatsache nicht deutlich in die erste Stellungnahme reingenommen haben? Wir wollten und wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, vorallem weil auf beiden Seiten Fanclubs beteiligt waren. Wir sehen uns mit in der Verantwortung, daran mitzuwirken, dass es wieder ein Miteinander und gegenseitiges Verständnis zwischen allen Fans des FC Sankt Pauli gibt. Dabei hilft es nicht, nur mit dem Finger aufeinander zu zeigen und sich seine beiderseitigen Verfehlungen vorzuwerfen, sondern bei möglichen zukünftigen Protesten mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und den jeweils anderen, mit seinen Ansichten und seiner Art sein Fansein zu leben, zu akzeptieren.

Leider wurde und wird oftmals der Flyer zum Boykottaufruf gleichgesetzt mit der Blockade. Das ist falsch. Es gab nie einen Blockadeaufruf. Damit nochmal allen klar wird was wir in Eurem Namen unterschrieben haben – findet ihr hier die gescannte Version des Flyers: http://dl.dropbox.com/u/4018990/5minutenboykott.pdf.  Wir haben immer noch die Auffassung, dass der Protest wichtig ist und wünschen uns, dass mehr Fans des FC Sankt Pauli sich mit dem Thema Fanrechte beschäftigen.

Trotz alledem stehen wir immer noch zu unserer Frage, ob wir noch die richtigen Vertreter für eure Faninteressen sind. Einige Fanclubs haben uns in ihren Mails ihr Vertrauen ausgesprochen, andere nicht. Dies ist auch legitim. Ihr habt uns gewählt und könnt uns entsprechend das Vertrauen auch wieder entziehen. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass wir mit dieser Erklärung nicht „unseren Arsch“ retten wollen. Die nächste Delegiertenversammlung findet zu Beginn der neuen Saison statt. Dort stehen turnusmäßig Neuwahlen an.

Was wir Euch noch mit auf den weiteren Weg geben wollen ist, dass die Kommunikation zwischen euch und uns verbessert werden sollte. Wir bekommen auf unsere Mails, Aufrufe, Einladungen, Mithilfeanfragen keine bis sehr wenig Rückmeldung. Wir sind der Meinung, dass hier deutlich mehr Engagement erfolgen könnte und würden uns freuen, wenn sich mehr Fanclubs einbringen. Eine höhere Meinungsvielfalt in bestimmten – zum Teil strittigen Themen – kann dem FCSR nur gut tun.

no retreat!

Euer FCSR

Stellungnahme des FCSR zum letzten Heimspiel

Liebe offizielle Fanclubs,

nach den Ereignissen, die am Sonntag im Bereich der Südkurve passiert sind, sitzen wir nun zusammen und sind erschlagen von den Eindrücken, die wir dort teilweise persönlich miterlebt haben. Uns tut es leid, wie sich die Situation entwickelt hat.

Als wir 2008 uns zur Wahl des Sprecherrats gestellt haben, haben wir dies – neben der verwaltenden Tätigkeit – auch immer als Auftrag zur Einmischung gesehen. Wir wollten die Werte, die unseren FC Sankt Pauli seit nunmehr 25 Jahren ausmachen, wahren und weiterentwickeln. Wir wollten diesen „anderen Verein“ mitgestalten und Missstände aufzeigen, so wie das der Fanclubsprecherrat seit seiner Gründung schon getan hat.

So wurde beispielsweise unter großer Anteilnahme der Millerntaler verhindert, der mögliche Verkauf des Stadionnamens gestoppt und auch als es um die neuen Anstoßzeiten ging wurden viele Proteste dagegen von Sankt Paulianern initiiert. Das waren und sind alles Dinge, die neben vielen anderen Selbstverständlichkeiten in der Tradition der Sankt Pauli-Fans liegen, die Ende der 80er-Jahre ihre Vorstellung von Fußball und einem Stadionbesuch durchsetzten und damit Vorbild für viele Fanszenen in Europa wurden und immer noch sind.

Für uns als euer Sprecherrat war es daher auch eine Selbstverständlichkeit gegen eine Aussperrung von Gästefans vorzugehen, da wir auch immer noch der Meinung sind, dass dies uns alle betrifft. Im Ständigen Fanausschuss – in welchem sich die aktiven Gruppen des FC Sankt Pauli regelmäßig treffen – wurden verschiedene Möglichkeiten dagegen vorzugehen erörtert. Die Gespräche, die mit dem Präsidium geführt wurden, haben sich mittlerweile leider als reine Zeitverschwendung hervorgetan.

Neben dem Fanladen, Ultrà Sankt Pauli und 18 offiziellen Fanclubs, haben wir – in eurem Namen – den Boykottflyer unterschrieben. Wir haben darauf dazu aufgerufen, Protestformen zu entwickeln und durchzuführen. Wie wir alle wissen wurden unter anderem am Sonntag die Eingänge blockiert und es entstand großer Unmut über die Art und Weise des Protestes.

Wir sehen uns euch gegenüber in der Pflicht, unsere Meinung zu den Vorkommnissen darzulegen. Wir sind der Meinung, dass die von den Blockierern gewählte Form des Protestes die richtige war, um auf die „offene Tür“, die alle Fußballfans betrifft, aufmerksam zu machen. Was wir allerdings bemängeln, ist die Durchführung und die mangelnde Kommunikation zum einen sowie das Verhalten zwischen den Blockierern und den restlichen Südkurvenbewohnern zum anderen. Man hätte im Vorfeld – und vor allem vor dem Stadion – schon darauf hinweisen und für Verständnis werben müssen, dass die Kurve für 5 Minuten blockiert wird. Das hätte dazu beigetragen, dass viel weniger Menschen sich im Umlauf aufhalten und vielleicht auch für mehr Solidarität unter den Fans gesorgt. Sicherlich hätte es auch noch andere Möglichkeiten gegeben, die Situation zu entspannen. Diesen Schuh müssen sich unserer Meinung nach alle – ob aktiv oder passiv mitgewirkt – an der Blockade Beteiligten anziehen.

Dass sich dann allerdings Sankt Paulianer mit Sankt Paulianern hauen und sich anspucken, ist außerhalb jeglicher Vorstellungskraft und ein nicht hinnehmbarer Zustand, der so nie wieder vorkommen darf. Was wir auch definitiv nicht akzeptieren sind homophobe und rassistische Sprüche. Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass am Millerntor andere Menschen als „Schwuchtel“, „Fotze“, „Nigger“ und anderem bezeichnet werden dürfen, ohne dass dagegen vorgegangen wird. Auch hier sind wir wohl mittlerweile ein Verein wie jeder andere.

Es wurde der Solidaritätswillen der Fans auf der Südtribüne überschätzt und ein Bild nach außen getragen, welches faktisch am Millerntor so nicht (mehr) existiert: Ein von vielen getragener Protest gegen die Einschränkung von Fanrechten und der Zerstörung der Fankultur. Medial ist also ein Bild entstanden, das nur unter Zwang entstehen konnte. Das war politisch falsch. Die Auseinandersetzung mit der eigentlichen Problematik findet dadurch nicht mehr statt

In der nun sehr hitzig geführten Diskussion wird die alleinige Schuld Ultrà Sankt Pauli gegeben. Wir haben uns bewusst für die Bezeichnung „Blockierer“ entschieden, da wir wissen, dass neben USPlern auch viele Mitglieder aus Fanclubs sich an der Blockade beteiligt haben. Wir wollen und können daher auch nicht akzeptieren, dass eine einzelne Fangruppe durchs „Dorf getrieben“ wird.

no retreat!

Euer FCSR

Aufruf zum Spiel am 28.03.2010 am Millerntor

DAS IST PASSIERT: Die von der Polizei erlassene Verfügung, nur 500 Sitzplatzkarten nach Rostock zu geben und den Kartenverkauf nur unter Abgabe der Personalien durchzuführen, wird vom FC St. Pauli endgültig akzeptiert und sogar als „einvernehmliche“ Lösung bezeichnet. Wir sind erschrocken darüber, dass die seit Wochen laufende Diskussion um dieses Thema und die vielfältigen Einwände von Fanseite das Präsidium nicht im Geringsten haben bewegen können. Die Absicht, die Freiheiten von Fußballfans mit dem Sicherheitsbedürfnis des Vereins in Einklang zu bringen, ist phänomenal gescheitert. In Gesprächen wurde betont, dass Teile des Präsidiums an einer Wahrung von Freiheiten für Fans interessiert sind – umso erschreckender, dass dies der Weg ist, der dort für richtig befunden wird. Es scheinen grundlegend unterschiedliche Auffassungen von Fankultur und Fanrechten vorzuherrschen.

AUF DIESE ENTWICKLUNG MÜSSEN UND WOLLEN WIR REAGIEREN! Nicht aus Solidarität mit Hansa Rostock, sondern weil wir wissen, dass uns und allen Fans in Deutschland der gleiche Irrsinn droht. Wie viele Tickets werden wir wohl bekommen, wenn wir den Aufstieg verpassen sollten und nächstes Jahr wieder in Rostock spielen? Wie viele Karten bekommen wir bei einem eventuellen Derby im nächsten Jahr? Wir erwarten von unserem Verein, eine positive Vorreiterrolle einzunehmen und sich wirklich für die Freiheiten von Fußball-Fans einzusetzen. Wir wünschen uns einen Verein, der mit uns gemeinsam wieder etwas bewegen will, der wieder etwas anpackt und voranbringt und fordern das Präsidium auf, den aktuellen Irrweg endlich zu verlassen. Es ist nötig, ein Zeichen zu setzen!

DIE AKTION: Wir wollen nicht die Mannschaft für die Verfehlungen des Präsidiums und die absurde Entwicklung büßen lassen, indem wir ihr die Unterstützung in diesem wichtigen Heimspiel durch einen kompletten Stimmungsboykott verwehren. Unsere Aktionen sind symbolisch und friedlich!

Die große Ganz-Stadion-Choreographie, die Gruppen aller drei Tribünen zu diesem Spiel seit Wochen geplant haben, wurde abgesagt.

Wir fordern die Fans in der Südkurve auf, die Traversen der Kurve erst fünf Minuten nach Anpfiff zu betreten. Der Gästeblock ist schon leer – eine leere Heimkurve wird jedem im Stadion und an den Fernsehschirmen auffallen.

Nach fünf Minuten wollen wir die Kurve betreten und mit einer lauten „Aux Armes“ zeigen, dass wir die Mannschaft nicht im Stich lassen und wir alle für den Aufstieg brennen. Deshalb fordern wir das gesamte Stadion auf, sich an dieser „Aux Armes“ mit aller Kraft zu beteiligen.

Nach vielen Diskussionen und Gesprächen in den letzten Wochen wurde allerdings auch deutlich, dass die Enttäuschung über das eigene Präsidium und somit auch über den eigenen Verein bei sehr vielen Mitgliedern unserer Gruppe und Menschen in unserem Umfeld extrem tief sitzt. Es sind grundlegende Werte des FC St. Pauli und der Fankultur mit Füssen getreten worden, wodurch zu vielen Menschen jegliche Motivation für dieses Spiel genommen wurde. Aus diesem Grund wird es von uns keinen organisierten Support geben – keine Banner, keine Vorsänger, keine Fahnen.

Trotzdem freuen wir uns über alle, die die Mannschaft und den Verein an diesem schwierigen Tag in die 1. Liga brüllen.

Wir appellieren an alle Fans, dieses Thema weiter zu verfolgen, sich an Aktionen und Diskussionen zu beteiligen und das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu bringen. Werdet aktiv! Beteiligt euch! Der Fußball gehört allen!

Ultrà Sankt Pauli // Fanladen // Punk Rock St. Pauli //Ballkult // Rhoihessefront // Südzecken // FCSR // Simulanten // GAS // BNL // Sankt Pauli Mafia // Chaoticker // NTI // Electromob // U18 Ragazzi // Banausen // Enfant Terrible // Drugados // Carpe Diem // Braun Weiße Mongos // Synapsen

Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses

Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zur Reduzierung des Gästekartenkontingentes für das Spiel FC St. Pauli gegen Hansa Rostock

Wir als Ständiger Fanausschuss, dem Zusammenschluss aktiver Fangruppen des FC St. Pauli, nehmen zu den Vorgängen um die Entscheidung zur Reduzierung des Kartenkontingentes für die Anhänger des FC Hansa Rostock und die entsprechende Pressemitteilung des FC St. Pauli wie folgt Stellung:

Nachdem der Ständige Fanausschuss von einem Antrag des Präsidiums des FC St. Pauli an die DFL Kenntnis erlangt hat, keine bzw. hilfsweise 500 Gästefans aus Rostock zuzulassen, und diese Antragstellung von der DFL bestätigt wurde, kam es auf unsere Initiative hin zu einem Gespräch zwischen Vertretern der organisierten Fanszene und dem Präsidium des FC St. Pauli. In diesem Gespräch wurde fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen. Daraufhin wurde ein Kompromiss gefunden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorsah.

Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1.400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen.

Mit großer Verwunderung mussten wir am Montag zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist und sich stattdessen in einem ?einvernehmlichen Gespräch? mit der Hamburger Polizeiführung auf eine abweichende Regelung geeinigt hat: Statt der gemeinsam vereinbarten 1.400 Gästekarten sollen nunmehr nur noch 500 Karten verkauft werden, und auch diese nur nach Vorlage eines Personaldokumentes. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als ?weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten? zu bezeichnen.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung einlegen.

Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.

Hamburg, 17.03.2010

Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli